Zwischen Bestseller und Comeback-Arbeit

10. Juni 2026

Dr. med. univ. Lara Vadlau arbeitet nach ihrer komplexen Knieoperation akribisch am Comeback im 470er-Cockpit. Und schrieb nebenbei ihren zweiten Bestseller.

Während andere Seglerinnen und Segler von Regatta zu Regatta eilen, arbeitet Olympiasiegerin Lara Vadlau weiterhin an ihrem wohl wichtigsten Projekt des Jahres: der Rückkehr in ein schmerzfreies und belastbares Leben. Knapp sieben Monate nach ihrer komplexen Knieoperation mit Knorpelzelltransplantation, Meniskustransplantation und Kreuzbandrekonstruktion macht die Kärntnerin zwar kontinuierliche Fortschritte, der Weg zurück ins Cockpit eines 470ers bleibt jedoch ein Geduldsspiel.

„Ich trainiere derzeit zweimal am Tag“, erzählt Vadlau. „Nach meinem Reha-Aufenthalt auf Mallorca bin ich jetzt wieder zurück im Olympiazentrum Kärnten und setze dort die Rehabilitation fort. Aber es ist wirklich Millimeterarbeit. Große Sprünge gibt es nicht. Dafür sehe ich jetzt zumindest wieder Muskeln an meinem Oberschenkel. Das ist ein gutes Zeichen.“

Mallorca als Reha-Stützpunkt

Die vergangenen beiden Monate verbrachte die Olympiasiegerin großteils auf Mallorca. Begleitet von ihrer ehemaligen olympischen Bootspartnerin und heutigen Trainerin Jolanta Ogar fand Vadlau dort ideale Bedingungen für ihre Rehabilitation.

Was ursprünglich als kurzer Aufenthalt geplant war, entwickelte sich zu einer intensiven Aufbauphase. Neben täglicher Physiotherapie, Krafttraining und Ergometereinheiten standen auch erste längere Radausfahrten auf dem Programm. „Mallorca hat für meine Situation perfekt gepasst. Ich konnte die Reha mit dem Radtraining verbinden und gleichzeitig nahe am Segelsport bleiben. Das hat mir mental extrem geholfen.“

Denn auch wenn sie derzeit nicht aktiv ins Regattageschehen eingreifen kann, bleibt die Olympiasiegerin nah dran. Vorschoter Niklas Haberl trainierte währenddessen regelmäßig vor Palma, betreut von Jolanta Ogar und unterstützt durch internationale Trainingspartner. Er absolvierte etwa die Semaine Olympique Francaise mit einer spanischen Steuerfrau. „Niki trainiert sehr fleißig und war immer wieder in Mallorca auf dem Wasser. Jola (Anm.: Jolanta Ogar) ist ohnehin ständig bei den Trainings und Regatten dabei und versorgt mich mit allen Informationen. Dadurch bin ich eigentlich mitten im Geschehen, obwohl ich selbst noch nicht im Boot sitzen kann.“

Der Knorpel bestimmt den Zeitplan

Bei einer Kontrolluntersuchung bei Operateur Dr. Jürgen Mandl gab es zuletzt positive Nachrichten. Der renommierte Sportarzt und Kniespezialist zeigt sich mit dem bisherigen Verlauf zufrieden. „Dr. Mandl ist sehr zufrieden. Gleichzeitig sagt er aber ganz klar, dass der Knorpel einfach Zeit braucht, um einzuwachsen. Das ist das Langwierigste, was man bei einer Knieverletzung machen kann.“

Genau darin liegt derzeit die größte Herausforderung. Während Muskeln durch konsequentes Training vergleichsweise rasch aufgebaut werden können, lässt sich der biologische Heilungsprozess des transplantierten Knorpels nicht beschleunigen. „Erst nach zehn bis zwölf Monaten wird wieder ein MRT gemacht. Dann sieht man wirklich, ob alles so eingewachsen ist, wie wir uns das wünschen. Deshalb müssen wir bei der Belastung sehr vorsichtig sein.“

Trotzdem sind die Fortschritte sichtbar. Die Beweglichkeit des Knies hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verbessert. „Ich bin aktuell bei ungefähr 130 bis 135 Grad Beugung. Für den Alltag ist das schon sehr gut. Fürs Segeln brauche ich aber noch ein bisschen mehr.“

Auch im Krafttraining wird die Belastung langsam gesteigert. „Ich mache mittlerweile Kniebeugen und verschiedene Kraftübungen. Natürlich noch mit sehr wenig Gewicht. Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde ich gerade erst mit dem Training beginnen. Aber das gehört dazu.“

Diesmal hat die Vernunft Vorrang

Wer Lara Vadlau kennt, weiß, dass Geduld normalerweise nicht zu ihren größten Stärken zählt. Nach mehreren Kreuzbandverletzungen in ihrer Karriere kennt sie die Versuchung, möglichst schnell wieder Vollgas geben zu wollen. Diesmal verfolgt sie bewusst einen anderen Ansatz. „Die Leute haben mir dieses Mal wirklich eingeschärft, dass ich nicht übertreiben darf“, sagt sie mit einem Lachen. „Und ich versuche tatsächlich, mich daran zu halten.“

Der Grund dafür reicht weit über den Spitzensport hinaus. „Es geht diesmal nicht nur um den Sport. Die Verletzung war so schwer, dass mir die Ärzte sehr deutlich gesagt haben, dass das Knie auch im normalen Leben wieder funktionieren muss. Ich möchte später wieder laufen können, wandern gehen, Sport machen und einfach ein normales Leben führen. Deshalb höre ich diesmal wirklich auf die Experten.“

Ein konkretes Datum für die Rückkehr ins Boot gibt es daher weiterhin nicht. „Natürlich freue ich mich aufs Segeln. Aber ich versuche bewusst, nicht ständig darüber nachzudenken. Der Fokus liegt aktuell ganz klar auf der vollständigen Heilung.“

Bestseller statt Regattaerfolge

Während ihre sportliche Karriere derzeit pausiert, hat Dr. med. univ. Lara Vadlau in einem anderen Bereich einen bemerkenswerten Erfolg gefeiert. Am 25. Mai erschien ihr zweites Buch „Die Alterslüge“, das sich mit den Themen Longevity, Prävention und gesunde Lebensjahre beschäftigt. Die studierte Medizinerin verbindet darin wissenschaftliche Erkenntnisse mit Erfahrungen aus dem Spitzensport und zeigt auf, wie Menschen ihre Gesundheit langfristig aktiv beeinflussen können. 

Die Resonanz übertraf selbst ihre Erwartungen.

„Das war ein Mega-Boost“, sagt Vadlau über die ersten Wochen nach Erscheinen. „Die Leute warten teilweise immer noch auf ein Buch, weil manche Buchhandlungen komplett ausverkauft waren.“

Besonders der Auftritt bei Claudia Stöckls Ö3-Erfolgssendung „Frühstück bei mir“ am Tag vor dem Erscheinen des Buches sorgte für zusätzliche Aufmerksamkeit. „Das hat unglaublich viel ausgelöst. Wir haben mit dieser Nachfrage wirklich nicht gerechnet.“

Noch wichtiger als die Verkaufszahlen sind für Dr. med. univ. Vadlau allerdings die Reaktionen der Leserinnen und Leser. „Ich bekomme wirklich nur positives Feedback. So viele Menschen schreiben mir, dass sie begeistert sind und ihnen das Buch geholfen hat. Mehr kann ich mir eigentlich gar nicht wünschen.“

Schritt für Schritt Richtung Zukunft

Aktuell steht für Vadlau dennoch weiterhin das Knie im Mittelpunkt. Die Bestsellerautorin, Ärztin und Olympiasiegerin weiß, dass die kommenden Monate entscheidend werden.

„Ich mache jeden Tag meine Übungen, arbeite an meiner Beweglichkeit und am Muskelaufbau. Es geht langsam voran, aber es geht voran.“ Und genau das zählt derzeit. Denn auch wenn die Rückkehr auf die internationale Segelbühne noch auf sich warten lässt, bleibt das große Ziel unverändert: gesund zurückzukommen – und dann wieder dort anzuknüpfen, wo sie aufgehört hat.