Jetzt beginnt die Aufholjagd
Der erste gemeinsame Trainingsblock nach Laras Vadlaus 13-monatiger Verletzungspause ist geschafft. Jetzt richtet sich der Blick der Olympiasiegerin und ihres Vorschoters Niklas Haberl nach vorne.
Die kommenden Monate sollen Schritt für Schritt zurück ins volle Training führen. Der erste große Fixpunkt wartet im Juli 2027 bei der Weltmeisterschaft in Gdynia. Dort werden acht der 19 Olympia-Tickets im 470er für Los Angeles 2028 vergeben.
Vor gut einer Woche war vor allem eines wichtig: wieder gemeinsam im Boot zu sitzen. Sieben Tage lang tasteten sich Lara Vadlau und Niklas Haberl auf Mallorca an das gemeinsame Segeln heran. Die Einheiten waren bewusst kurz, die Belastung wurde genau beobachtet. Nach fast 13 Monaten Pause war das erste Fazit positiv. Das operierte Knie hielt, das Gefühl im 470er war schnell wieder da.
Beim Tag des Sports in Wien am vergangenen Samstag formulierte Haberl nur wenige Tage später bereits den nächsten Schritt. „Nächstes Jahr ist die erste Qualifikation. Wir sind jetzt klar beim nächsten Ziel und jetzt geht es darum, dass wir aufholen, was geht.“ Damit ist der Fahrplan abgesteckt. Über allem steht allerdings weiterhin eine Voraussetzung: Vadlaus Knie gibt das Tempo vor.
Erst rantasten, dann „Kilometer fressen“
„Wir werden jetzt schauen, dass wir uns langsam rantasten: Wie viel geht, wie viel kann man machen?“, sagt Haberl. Erst wenn Vadlau wieder voll belastbar ist, soll aus dem vorsichtigen Comeback ein normales Trainingsprogramm werden. Dann, so der Vorschoter, „werden wir schauen, dass wir stundenlang Kilometer fressen“.
Der Ausdruck passt zu einer Aufgabe, die sich kaum abkürzen lässt. Denn so schnell sich das vertraute Gefühl auf Mallorca wieder eingestellt hat, so klar ist beiden, dass nach mehr als einem Jahr ohne gemeinsames Training viele Abläufe neu aufgebaut werden müssen.
Schon vor Vadlaus Verletzung war Zeit im Boot ein entscheidender Faktor. Als das neu formierte Duo im Mai 2025 seine erste Europameisterschaft bestritt, hatte es nicht einmal zwei Wochen gemeinsam trainiert. Trotzdem mischten Vadlau/Haberl von Beginn an vorne mit.
Wenige Wochen später folgte bei der WM 2025 in Gdynia Rang 16 inklusive Wettfahrtsieg. Haberl zog damals ein Fazit, das heute noch aktueller klingt: Es brauche mehr gemeinsame Wasserstunden, mehr Konstanz beim Speed und eine bessere Koordination im Boot. Genau dort wollen die beiden nun wieder ansetzen.
„Wir müssen wirklich Wasserstunden sammeln und uns aufeinander wieder einstellen“, hatte Haberl schon während Vadlaus Verletzungspause erklärt. Es gehe um „Trimm, Segel“ und darum, anschließend zu sehen, was am Setup noch verändert werden müsse. Die Intensität soll dabei nicht schlagartig, sondern Schritt für Schritt gesteigert werden.
Der nächste Trainingsblock soll bei entsprechend positiven medizinischen Rückmeldungen wieder auf Mallorca stattfinden. Dort stehen Trainerin Jolanta Ogar und ein Trainingsboot bereit. Eine mögliche erste Regatta ist Ende März 2027 die Trofeo Princesa Sofia vor Palma. Noch ist das aber kein Termin, der um jeden Preis gehalten werden muss. Schon beim ersten Comeback-Block war die Vorgabe klar: Das Knie entscheidet.
Arbeit an der Reha und am Material
Ganz bei null beginnen Vadlau/Haberl allerdings nicht. Während sich die Olympiasiegerin auf ihre Rehabilitation konzentrierte, arbeitete Haberl an jenen Bereichen weiter, die sich auch ohne seine Steuerfrau entwickeln ließen.
Er trainierte mit unterschiedlichen Partner:innen, arbeitete an Kraft und Ausdauer, beschäftigte sich mit Meteorologie und beobachtete die internationale Konkurrenz. Gleichzeitig kümmerte er sich um das Material für die nächste Phase der gemeinsamen Kampagne. Unter anderem holte er einen neuen 470er aus Hamburg und brachte ihn zum Bundesleistungszentrum nach Neusiedl.
Was nach einem simplen Bootstausch klingt, ist im 470er Detailarbeit. „Die Masten sind recht unterschiedlich. Man muss auf das Gewicht achten, auf die Biegekurven, dass das natürlich auch mit dem Großsegel und mit dem Schwert zusammenpasst. Also da gibt es viele Faktoren, die man beachten muss“, erklärt Haberl.
Im ausführlichen Gespräch beschreibt der 25-Jährige die Arbeit noch genauer. Der Mast wird unter anderem darauf vermessen, wie er sich nach vorne und hinten sowie seitlich biegt. Dazu kommen Schwert und Segel. Am Ende muss das gesamte Paket zum Segelstil des Teams passen. Als Ausgangspunkt dient jenes Setup, mit dem Vadlau und Lukas Mähr 2024 Olympia-Gold gewannen. Von dort aus wird nun auf die neue Paarung abgestimmt.
Die Verletzung hat das gemeinsame Segeln für mehr als ein Jahr gestoppt. Die Olympia-Kampagne selbst stand in dieser Zeit nicht völlig still.
In Gdynia geht's um das Olympia-Ticket
Spätestens im Sommer 2027 wird sich zeigen, wie weit Vadlau/Haberl auf ihrem Weg zurückgekommen sind. Im Juli kehrt das Duo nach Gdynia zurück. Diesmal geht es an der polnischen Ostseeküste um deutlich mehr als eine WM-Platzierung.
Die World Sailing Championships 2027 sind der erste Qualifikationsschritt für Los Angeles 2028. Im olympischen Mixed Dinghy, dem 470er, stehen bei den Spielen 19 Startplätze zur Verfügung. Acht Nationenplätze werden bereits in Gdynia vergeben. Weitere Tickets folgen über die kontinentalen Qualifikationen und eine Last-Chance-Regatta.
Für Haberl ist deshalb klar, welche Bedeutung der Termin hat: „Das ist der nächste Meilenstein am Weg zu den Spielen.“
Gdynia ist für das Duo zudem kein unbekanntes Revier. 2025 segelten Vadlau/Haberl dort ihre erste gemeinsame Weltmeisterschaft. Nach nur rund zweieinhalb Monaten als Team schafften sie den Sprung in die Goldflotte, kämpften allerdings immer wieder mit dem Bootspeed. Am Ende stand Platz 16. Ein Wettfahrtsieg zeigte zugleich, welches Potenzial bereits vorhanden war.
Zwei Jahre später sollen die Voraussetzungen andere sein. Bis dahin geht es darum, jene Trainingszeit nachzuholen, die durch Vadlaus Verletzung verloren gegangen ist.
Los Angeles kann noch warten
Auch das Olympiarevier selbst steht auf der Liste. Eilig haben es Vadlau/Haberl damit derzeit allerdings nicht. Während andere österreichische Segel-Teams bereits in Kalifornien trainiert und Daten gesammelt haben, war Haberl noch nicht im Revier von 2028.
Das war eine bewusste Entscheidung.
„Wir haben letztes Jahr gesagt, es macht noch keinen Sinn. Wir müssen eh noch Stunden sammeln und uns seglerisch weiterentwickeln“, erklärt Haberl. Von den Erkenntnissen der anderen OeSV-Teams profitiert das Duo dennoch. „Wir sind im Austausch mit den anderen Seglern. Aber natürlich wird es noch einmal etwas anderes, wenn man dann wirklich dort ist.“
Zeit dafür bleibt. Die olympischen 470er-Rennen beginnen in Los Angeles am 24. Juli 2028, die Entscheidung fällt am 27. Juli. Bis dahin zählt für Vadlau und Haberl zunächst nicht Kalifornien, sondern jeder einzelne gemeinsame Tag im Boot. Die ersten davon liegen nach 13 Monaten Pause endlich wieder hinter ihnen. Jetzt sollen viele weitere folgen.
Oder, wie Niklas Haberl es deutlich einfacher formuliert: Kilometer fressen.

